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Umarmungen aus Stein. Palladio, Bernini, Vanvitelli.

  • Autorenbild: Palladian Routes
    Palladian Routes
  • vor 7 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit


Die Barchesse der Villa Badoer in Fratta Polesine offenbaren eine ungewöhnliche Form: man könnte sie eine Geste der Umarmung nennen.

Sie öffnen sich sanft vom Hauptkörper der Villa und beschreiben eine Kurve, die den Besucher empfängt – ein Motiv, das Palladio bereits im großartigen Projekt der Villa Trissino in Meledo di Sarego angedeutet hatte.





Es gibt Architekturen, die nicht nur gesehen werden: sie werden gespürt, wie Atemzüge, die im Stein verweilen.Sie stehen nicht einfach da: sie handeln. Und unter all diesen Handlungen ist die Umarmung die rätselhafteste und magnetischste – eine Kurve, die aufnimmt, leitet und die innere Haltung des Besuchers formt, bevor sie den Raum selbst formt.

Italien bewahrt drei besonders bedeutende Beispiele, ein Jahrhundert voneinander entfernt und doch durch dieselbe unterirdische Melodie verbunden: den Wunsch, Form in emotionale Intention zu verwandeln.





Palladio: die Umarmung, die aus der Landschaft aufsteigt

(Villa Badoer, 1554–1556, Auftrag von Francesco Badoer)

In der Villa Badoer erfindet Andrea Palladio eine neue Art, Architektur mit der Erde ins Gespräch zu bringen. Die halbkreisförmigen Barchesse, entworfen zwischen 1554 und 1556, sind weit mehr als landwirtschaftliche Nebengebäude: sie sind Arme aus Licht, eine Kurve, die dem Besucher entgegenkommt wie eine alte, vertraute Geste.

Das Polesine, mit seinen langsamen Wassern, flachen Feldern und weichen Horizonten, wird Teil der Komposition. Palladio zwingt die Landschaft nicht – er hört ihr zu.Die Villa antwortet mit einer ruhigen, fast pastoralen Empfindung, einer Harmonie, in der die klassische Ordnung das bäuerliche Leben erhebt, ohne es zu überdecken.

Diese Umarmung zu betreten heißt, eine Schwelle zu überschreiten, die nicht trennt, sondern verbindet: ein stiller Vertrag zwischen Erde und Proportion.


Bernini: die Umarmung, die kosmisch wird

(Kolonnaden des Petersplatzes, 1656–1667, unter Papst Alexander VII.)

In Rom, ab 1656, dehnt sich die Idee der Umarmung zu einer theologischen Vision aus. Auf Wunsch von Papst Alexander VII. gestaltet Gian Lorenzo Bernini die monumentale Kolonnade des Petersplatz, vollendet 1667, und verwandelt den Platz in eine gewaltige Orchestrierung aus Stein.

Die doppelte Ellipse öffnet sich wie ein universeller Atem:eine Geste, die nicht den Einzelnen, sondern die gesamte Menschheit zu versammeln sucht.Die Säulen schreiten wie disziplinierte Wellen voran, ein räumlicher Rhythmus, in dem Liturgie und Theater ineinanderfließen.

Hier wird Architektur mehr als gebaute Form: sie wird Kosmologie, ein symbolisches Diagramm der Welt.Wer diese Kurve betritt, tritt in eine Bewegung ein, die noch immer die ursprüngliche Intention in sich trägt.




Vanvitelli: die Umarmung, die herrscht

(Städtisches Halbrund der Reggia di Caserta, ab 1752, Auftrag von Karl von Bourbon)

Als Luigi Vanvitelli im 1752 von Karl von Bourbon den Auftrag erhält, die Reggia di Caserta zu entwerfen, denkt er nicht nur an einen Palast: er entwirft ein neues königliches Zentrum.

Der erste große Gestus des Gebäudes entfaltet sich nicht im berühmten Park auf der Rückseite, sondern zur Stadt hin, in dem weitläufigen städtischen Halbrund, das den heutigen Piazza Carlo III fasst.

Diese Kurve will nicht einladen: sie ordnet. Sie sammelt die Stadt, lenkt den Blick, strukturiert die Annäherung. Vanvitelli formt eine Geometrie der Autorität – eine Umarmung, die Ordnung schafft, Hierarchie ausdrückt und die Macht des Monarchen durch reine Form manifestiert.

Keine Milde liegt in dieser Kurve: vielmehr eine stille Majestät.Eine Umarmung, die nicht schützt, sondern definiert.





Eine Melodie, drei Instrumente

Bei Palladio steigt die Umarmung aus der Erde auf. Bei Bernini weitet sie sich bis zum Himmel. Bei Vanvitelli wird sie zur Architektur der Macht.

Drei Gesten, drei Stimmen, eine gemeinsame Intuition:dass Raum, wenn er mit Intelligenz und Empfindung geformt wird, zu Beziehung wird – und nicht bloß zu Struktur.

Und wer diese Orte durchschreitet, tritt in eine stille Musik ein, die bis heute nachhallt:die dauerhafte Erinnerung an Stein, der empfängt.



Andrea Palladio
Andrea Palladio
Gianlorenzo Bernini
Gianlorenzo Bernini
Luigi Vanvitelli
Luigi Vanvitelli


Die steinerne Umarmung ist nur einer der vielen Reflexe des historischen, kulturellen und künstlerischen Erbes, das die Palladianischen Länder der Schönheit belebt und durchdringt.

Wenn du wirklich eintreten möchtest, findest du unten den Abschnitt, der deine Erkundung weiterführt.



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Artikel aktualisiert im Jahr 2026

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